Echtes vs. unechtes Factoring

Echtes vs. unechtes Factoring
Veröffentlicht: 30.01.2020     /     Autor: Edward S.

Factoring im Überblick

Factoring meint die Veräußerung einer Forderung aus Lieferungen und Leistungen an Dritte. Der sogenannte „Dritte“ ist in der Regel ein gewerblicher Finanzdienstleister (Factor), der dem Unternehmen bereits vor dem Ausgleich der Forderung des eigentlichen Schuldners einen Großteil der Forderung zahlt.

Doch worin liegt der Unterschied zwischen echtem Factoring und unechtem Factoring? Der wichtigste Unterschied in Kürze: während der Dritte beim echten Factoring das Ausfallsrisiko auf Debitorenseite übernimmt, gewährt der Dritte beim unechten Factoring lediglich ein Darlehen.

Der Unterschied zwischen echtes und unechtes Factoring


BuchhaltungsButler informiert zum Thema “Factoring: echtes vs. unechtes Factoring “ und wie Sie Factoring buchhalterisch behandeln.

Was ist echtes Factoring (Non-Recourse Factoring)?

Echtes Factoring unterscheidet sich maßgeblich vom unechten Factoring, da der Factor beim Kauf der Forderung das Ausfallrisiko auf Debitorenseite übernimmt (Delkredere). So ist für Sie als Unternehmen sichergestellt, dass Sie für den Zahlungsausfall Ihres Kunden nicht haften müssen. Allerdings sind die Kosten für diesen „Ausfallsschutz“ deutlich höher. Diese Kosten schlägt der Factor auf sein Angebot auf, sodass Sie im Vergleich zum unechten Factoring ein vermeintlich schlechteres Angebot erhalten.

Beispiel: Es liegt eine Forderung aus Lieferung und Leistung i.H.v. 1.000.000 € vor, die an einen Factor veräußert werden soll.
Angebot „echtes Factoring“: 900.000 €
Angebot „unechtes Factoring“: 950.000 €
Echtes Factoring hat den besonderen Vorteil, dass ein Risikotransfer stattfindet. Dadurch scheiden die Forderungen aus der Bilanz Ihres Unternehmens aus, die Bilanzsumme verkürzt sich und Ihre Bonität verbessert sich.

Was ist unechtes Factoring (Recourse Factoring)?

Unechtes Factoring funktioniert ähnlich wie das echte Factoring, allerdings übernimmt der Factor das Ausfallsrisiko nicht. Das bedeutet für Sie als Unternehmen, dass Sie das volle Risiko für den Zahlungsausfall Ihres Kunden tragen und im Falle eines Zahlungsausfalls den vorfinanzierten Betrag sowie Gebühren an den Factor zurückzahlen müssen. Somit lässt sich unechtes Factoring eher als Kreditgeschäft beschreiben.

Oft wird beim unechten Factoring auch eine maximale Laufzeit bestimmt, welche sich weder nach dem mit dem Kunden vereinbarten Zahlungsziel noch dem tatsächlichen Zahlungsdatum richtet. Unechtes Factoring kann also auch ein Kurzzeitdarlehen über z.B. 30 Tage bedeuten, für welches der Factor die Forderung an den Kunden als Sicherheit bekommt, Sie als Unternehmen jedoch voll haften und das Geld nach z.B. 30 Tagen unabhängig von der Zahlung Ihres Kunden wieder an den Factor zurückbezahlen müssen.

Doch wann und für wen lohnt sich „unechtes Factoring“? Der Factor verschafft Ihnen, wie beim echten Factoring, wertvolle Liquidität und übernimmt das Debitorenmanagement für Sie. Aufgrund der niedrigeren Kosten durch den fehlenden Ausfallschutz besteht ein reiner Finanzvorteil. Dieser Vorteil zahlt sich besonders bei liquiden Kunden aus, die mit Ihnen lediglich lange Zahlungsziele vereinbart haben.

Praxistipp

Eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Analyse schafft an dieser Stelle Klarheit. Wenn Sie das Risiko eines Zahlungsausfall Ihres Kunden gut einschätzen können, kann „unechtes Factoring“ eine ebenso profitable Lösung für Sie sein.

Factoring: die Vorteile im Überblick

Der wichtigste Vorteil von Factoring: die Verbesserung der Liquidität des Unternehmens. Besonders bei Großaufträgen und hohen Auftragssummen kommen häufig lange Zahlungsziele von 6 Wochen bis zu mehreren Monaten zustande. Der Factor zahlt üblicherweise 85-90 % der Forderung (abzüglich der Gebühren) direkt an Sie aus und die restlichen 10-15 % folgen nach Zahlungen des Kunden. Für die letzte Zahlung werden jedoch etwaige Retouren und Skonti berücksichtigt.
Beim „echten Factoring“ scheiden die Forderungen aus der Bilanz Ihres Unternehmens aus, die Bilanzsumme verkürzt sich und Ihre Bonität verbessert sich. Der Factor begleicht den vereinbarten Teil der Forderung meist innerhalb einer Woche. So können Sie sich als Unternehmen einen Zinsvorteil sichern und verbessern Ihr Ratingergebnis.
Darüber hinaus können Sie unmittelbar Ihre eigenen Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten bedienen und der Factor nimmt Ihnen Mahnungen, die Debitorenbuchhaltung und die Rechtsverfolgung bei Zahlungsausfall ab.

Factoring: die Voraussetzungen auf einen Blick

Nicht alle Forderungen sind für das Factoring Modell geeignet. So muss sowohl das Geschäft „factorable“ sein, als auch der Kunde muss eine ausreichende Bonität vorweisen können. Daher ist das Factoring keine Option, um rechtlich bedenkliche Forderungen oder das Risiko von offensichtlich insolvenzgefährdeten Kunden abzustoßen.
Die Voraussetzungen für Factoring:

  • Unternehmen ist im Produktions-, Handels- oder im Dienstleistungssektor tätig
  • keine Tätigkeit in Bau- oder Maschinenbaubranche mit Abschlagszahlungen und Leistungsabschnitten
  • sämtliche an die Forderung gekoppelten Leistungen wurden vollständig erbracht
  • Umsatz pro Jahr = > 1 Mio. EUR
  • durchschnittliche Rechnungsbeträge = > 1.000 EUR
  • Zahlungsziele von max. 90 Tagen im Inland und 120 Tagen im Ausland
  • keine Forderungen aus Abschlagszahlungen oder Leasinggeschäften
  • keine Forderungen aus Geschäften mit längeren Gewährleistungsfristen, die die gesetzlichen Vorgaben überschreiten
  • die Forderung bezieht sich nicht auf kundenspezifische Individualanfertigungen (z.B. Individualsoftware)

Sofern die Factoring Voraussetzungen gegeben sind, steht dem Factoring nichts im Wege. Andernfalls obliegt es der Einschätzung des Factors, welche Fälle und Forderungen akzeptiert werden.

Buchhaltung: Wie wird Factoring gebucht?

Auch in der Buchhaltung muss zwischen echtem und unechtem Factoring unterschieden werden. Aufgrund der Rückzahlung ist die Verbuchung von unechtem Factoring etwas komplizierter.
Im Folgenden zwei Beispiele mit Buchungssätzen über einen fiktiven Geschäftsvorfall i.H.v. 100.000 EUR zzgl. 19% UmSt.

Praxistipp

Bei unechtem Factoring empfehlen wir, den Factoring-Dienstleister wie ein eigenes Bankkonto zu führen. Der Factor stellt Ihnen i.d.R. CSV-Auswertungen zur Verfügung. Auf dieser Basis können Sie die Buchhaltung erledigen und vermeiden komplizierte Splitbuchungen.

Buchungssatz echtes Factoring (SKR03)

Beim echten Factoring erhält das Unternehmen in ein oder zwei Raten den vollständigen Betrag seiner Forderung an den Kunden, abzüglich der Provision des Factors, welche als Aufwand erfasst werden muss.

01.03.2020

Verbuchung der Kundenrechnung

119.000 €
  • S

    10000; Debitor an

  • H

    8400; Erlöse

    19%
    UmSt.

Sie buchen mit Steuerschlüssel „19% UmSt.“

02.03.2020

Verbuchung der Zahlung des Factors

Forderungsbetrag abzgl. 10% Gebühren, Sie machen eine Splitbuchung

107.100 €
  • S

    1200; Bank an

  • H

    10000; Debitor (119.000€)

  • H

    4900; SbA (-11.900€)

    19%
    VSt.

Liegt Ihnen durch den Factor eine Rechnung mit ausgewiesener UmSt. vor, buchen Sie diese mit dem Steuerschlüssel „19% VSt.“


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Buchungssatz unechtes Factoring (SKR03)

01.03.2020

Verbuchung der Kundenrechnung:

119.000 €
  • S

    10000; Debitor an

  • H

    8400; Erlöse

    19%
    UmSt.

Sie buchen mit Steuerschlüssel „19% UmSt.“

02.03.2020

Zahlungsausgang auf dem „Factoring-Konto“

107.100 €
  • S

    1360; Geldtransit an

  • H

    630; Verbindl. gg. Factor

03.03.2020

Zahlungseingang auf Ihrem Bankkonto:

107.100 €
  • S

    1200; Bank an

  • H

    1360; Geldtransit

02.03.2020

Gebühren des Factors auf dem „Factoring-Konto“

11.900 €
  • S

    4900; SbA an

  • H

    630; Verbindl. gg. Factor

    19%
    VoSt.

Sie buchen ggf. mit Steuerschlüssel „19% VoSt.“

20.03.2020

Zahlungseingang des Kunden beim Factor

107.100 €
  • S

    630; Verbindl. gg. Factor

  • H

    10000; Debitor

Praxistipp:

Unter dem Strich ist das „Factoring-Konto“ nun wieder genullt.
Sie können alle Buchungen auch vornehmen, ohne die Factoring-Gesellschaft als eigenes „Bankkonto“ zu führen.
Legen Sie das Konto „630; Verb. gg. Factor“ in BuchhaltungsButler jedoch als ein „Basiskonto“ an, so können Sie die Geldbewegungen im CSV-Format einfach darauf importieren und die Buchungsvorschläge erfolgen automatisch.

Factoring: echtes vs. unechtes Factoring – das Wichtigste im Überblick

  • Factoring meint die Veräußerung einer Forderung an einen Dritten (Factor)
  • Echtes Factoring beinhaltet ebenso die Übernahme des Ausfallsrisikos durch den Factor
  • Unechtes Factoring ist mit einem Kreditgeschäft zu vergleichen
  • Vorteile: Verbesserung der Liquidität, Bonität und des Ratings
  • Factoring Voraussetzungen: Geschäfte müssen factorable sein, Leistungen müssen voll erbracht sein, Kunde muss eine gute Bonität aufweisen

Die Angaben in diesem Artikel wurden mit großer Sorgfalt recherchiert.
Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der angegebenen Informationen können wir dennoch keine Haftung übernehmen.
Insbesondere ersetzen die Informationen keine qualifizierte Beratung durch einen Steuerberater.

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