Stille Reserven - Erklärung
und Beispiele


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Reserven zu haben ist doch eigentlich eine gute Sache, denken sich viele Unternehmer. Doch gilt das auch für Stille Reserven? Was ist erlaubt und ab wann begeht man eine Steuerhinterziehung? Wir bringen Licht ins Dunkel.

Stille Reserven einfach erklärt

Egal ob man von Stillen Reserven, Stillen Rücklagen oder Bewertungsreserven spricht, es geht hierbei um ein und dieselbe Sache: Vermögenswerte, die nicht in der Bilanz auftauchen. Dadurch wird eine genaue Bilanzierung erschwert und das Betriebsvermögen kann nicht exakt bestimmt werden. Doch wie kann das sein? Werden Gewinne wissentlich unterschlagen?

Stille Reserven in der Buchhaltung

Wie entstehen Stille Reserven?

Stille Rücklagen entstehen dadurch, dass manche Beträge nur gerundet oder geschätzt werden. Es können somit unterbewertete Vermögenswerte oder überbewertete Schuldwerte entstehen, wodurch ein Unternehmen mehr Eigenkapital besitzt, als aus der Bilanz ersichtlich ist.

  • Geringfügige Wirtschaftsgüter: Der Aufwand wird sofort verbucht. Trotzdem behalten sie ihren Wert und könnten zukünftig wieder mit Gewinn verkauft werden.

  • Vermögensgegenstände des Anlagevermögens: § 6 Abs. 2 EStG erlaubt es hierbei einen Erinnerungswert in der Abrechnung aufzuführen. Nach Ablauf der Abschreibung hat der Gegenstand in der Bilanz einen Erinnerungswert von 1€. Der tatsächliche Wert kann aber deutlich darüber liegen, wenn sich das Unternehmen entschließen sollte, den Gegenstand zu verkaufen oder der Gegenstand auch nach Ablauf der Abschreibung weiterverwendet wird.

  • Strafzahlungen/Nachzahlungen: Wenn die erwarteten Straf- oder Nachzahlungen geringer ausfallen als erwartet und nicht alle gebildeten Rücklagen aufgewendet werden müssen.

  • Anschaffungskostenprinzip: Wertsteigerung von Grundstücken oder Aktien im Laufe der Zeit. In der Bilanz werden aber weiterhin nur die Anschaffungskosten ausgewiesen.


Das Gegenteil von Stillen Reserven sind übrigens die Stillen Lasten, die durch eine Überbewertung von Aktiva oder eine Unterbewertung von Passiva entstehen können.

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Beispiele für Stille Reserven

Beispiel 1:

Gegen ein Unternehmen läuft ein Gerichtsverfahren und Schadensersatzzahlungen drohen in Millionenhöhe. Das Unternehmen bildet Rücklagen von 10 Millionen €, um eventuell anfallende Schadensersatzzahlungen umgehend begleichen zu können. Das Unternehmen wird tatsächlich zu einer Strafe verurteilt. Diese fällt aber mit 6 Millionen € geringer aus, als erwartet. Die verbleibenden 4 Millionen € Rücklage gelten anschließend als Stille Reserve. Erst wenn sie anschließend aufgelöst und wieder dem Unternehmensvermögen zugeführt wird, ist sie aufgelöst und versteuerbar.

Beispiel 2:

Ein Firmenwagen wird für 50.000 € gekauft und über 5 Jahre abgeschrieben. Nach den 5 Jahren hat er einen Buchwert von 1 Euro, kann aber in Wirklichkeit noch für mehrere Tausend Euro verkauft werden. Dadurch ist eine Stille Rücklage entstanden. Versteuert wird dieser Betrag erst, wenn der Firmenwagen gewinnbringend verkauft wurde.


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Gesetzeslage Stille Reserven

In Deutschland besteht zwischen dem Handelsrecht (HGB) und dem Steuerrecht hinsichtlich der Stillen Reserven Uneinigkeit. Laut dem HGB gilt ein strenges Niedrigwertprinzip, nach dem Steuerrecht sollten jedoch die höchstmöglichen Gewinne ausgewiesen werden. Deshalb haben Unternehmen ein Aktivierungswahlrecht. Dennoch sollte versucht werden, so viele Stille Reserven wie möglich in der Bilanzierung aufzulösen. Aufgrund des Wertaufholungsgebots unter § 253 Abs. 4 HGB werden deutsche Unternehmen darin eingeschränkt, große Mengen an Stillen Reserven auszuschütten oder verdeckt anzuhäufen. Auch ist es verboten durch mutwillig falsche Schätzungen Stille Reserven zu bilden, da sie gegen die Prinzipien der Bilanzklarheit und Bilanzwahrheit verstoßen und Unternehmen sich dadurch Steuervorteile verschaffen können.

Die Angaben in diesem Artikel wurden mit großer Sorgfalt recherchiert.
Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der angegebenen Informationen können wir dennoch keine Haftung übernehmen.
Insbesondere ersetzen die Informationen keine qualifizierte Beratung durch einen Steuerberater.

Stand: 20.06.2018. Alle Angaben ohne Gewähr.


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